Samstag, 5. Mai 2012

Lohn der Angst

Die Überschrift fiel mir heute ein, als ich wie gewohnt in ein Privat-Auto stieg, welches als Taxi-Ersatz fungiert.
Zu diesem "ÖPNV-Ersatz" muß ich demnächst wohl auch noch Einiges erklären, versprochen

Warum nun gerade diese die Überschrift ?
Vielleicht kennt noch jemand den alten gleichnamigen Schwarz-Weiß-Film aus dem Jahre 1953, in dem ein paar Freiwillige eine Ladung Nitroglyzerin durch den Urwald zu einer Erdölbohrung bringen.
Solch eine ähnliche Story hörte ich heute von meinem Chauffeur.



Wie üblich, entspinnt sich im Schwarztaxi zwischen Fahrgast und Fahrer ein Gespräch, mal beschränkt auf wenige Worte, mal intensiver durch die Kenntnis einer Fremdsprache, bevorzugt Russisch.
So erfuhr ich, daß der Mann für ein paar Monate bei "Tavan Tolgoi" gearbeitet hat. Klar, der Begriff ist kaum bekannt, aber bei Wikipedia  --->kann man HIER <--- nachlesen, was es damit auf sich hat.
Der Job des Mannes bestand darin, einen riesigen Lkw mit 120 Tonnen (!!) Kohle auf einer Schotterpiste von 240 km Länge durch die Wüste Gobi nach China zu bringen und wieder zurückzufahren.
Ein Höllenritt, ständig geht irgendeiner von den 22 gewaltigen Reifen kaputt und die Fahrer müssen, auf sich alleine gestellt, Räder wechseln.
Egal ob 40 Grad Hitze, oder 40 Grad Kälte.
Auf der Piste herrscht pausenloser Verkehr Tag und Nacht, die Staubfahnen liegen wie Nebel in der Luft.
Regelmäßig gibt es Tote und Verletzte bei schweren Unfällen, ich sehe die Nachrichten darüber immer wieder bei den Fernsehsendern.
Eine "Rais", das aus dem Russischen und vorher aus dem Deutschen entliehene Wort für die Fahrt hin und zurück, dauert 24 Stunden oder auch länger, je nach Vorkommnissen sowie dem Willen und Können des Fahrers, durchzuhalten.
Und der Lohn dafür sind rund 60 Euro, pauschal gezahlt, egal was da auf der Strecke passierte........Lohn der Angst eben.

Kommentare:

  1. Nicht zu fassen.

    Si sieht es am unteren Ende der "Wertschöpfungskette" aus. Ich wäre dafür, unsere Politniks müssten alle 'mal eine so'ne Tour unter den geschilderten Umständen ableisten ...

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  2. 60 euro sind wenig aber ein Vermögen im Vergleich zu dem, was eine Nomadenfamilie im Durschnitt pro Monat bekommt: 30 Euro. Und auch nur, wenn sie Kaschmirziegen besitzt. LG,,,

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    1. Hallo Anonym,

      Vielen Dank für den Kommentar.
      Nun weiß ich zwar nicht woher die Zahl von 30 Euro kommt, aber mit Sicherheit ist sie schon sehr alt, denke ich.
      Heutzutage gibt es kaum noch diese "Armuts-Nomaden", ganz im Gegenteil.
      Dazu gerne mehr bei bei Interesse.
      Gruß
      Mongoleifan.

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