Samstag, 19. Mai 2012

Ach übrigens: Das Elend und die Nerven:

Eine deutsche, international operierende Firma, hat sich heute mal "meinen" Dolmetscher ausgeliehen ....der angereiste Vertreter des Unternehmens hat nämlich ein Problem.


Und zwar wegen der Dankes-Veranstaltung der Kinder eines Waisenhauses. Die haben ein Programm einstudiert, welches sie ihm nun zeigen wollen.

Denn seine Firma ist hier in der Mongolei auch karitativ tätig, indem sie dieses Waisenhaus unterstützt.
Die einheimische Vertreterin des Unternehmens sah sich außerstande, für den deutschen Abgesandten der Firma beim Treffen im Waisenhaus zu dolmetschen.
Sie meinte zuerst, daß sie keine Zeit habe, am Sonnabend spätnachmittags. Später bekannte sie, daß sie nicht im Stande sei, ihre Emotionen bei einer solchen Veranstaltung zu beherrschen. Denn das Unglück dieser Kinder würde jedes Vorstellungsvermögen übersteigen.
So fragte man also mich, ob ich einen Ausweg wüßte, aus dem Übersetzungs-Dilemma.

Da habe ich meinem Dolmetscher das Problem angetragen, ob er für ein paar zusätzliche Scheine Geldes dem Manne aus Berlin aus der Verlegenheit hilft.
Er hat sich auch bereit erklärt.
Allerdings mit Anmeldung leiser Bedenken:
Wenn diese Kinder ihr Programm für die deutschen Sponsoren aufführen, dann hätte auch er Probleme, falls da z.B. Lieder über die Mutter oder die Familie gesungen würden.
Die Tränen wären auch bei ihm recht nahe.
Der Mann ist ein Hüne, 1,9 Meter und 100 Kilo. Symphatisch seine weiches Herz.
Er fragte mich um 15:00 Uhr, ob ich nicht vielleicht doch mitfahren würde zu der Veranstaltung ... schließlich seien doch dort die Deutschen die Geehrten.....und er würde mich quasi ebenfalls präsentieren und so weiter und so fort.....
Ich habe mich mit einer ziemlich fadenscheinigen Ausrede herausgeredet.
... Noch einen heulenden Mann und Deutschen braucht man dort sicher nicht ......  ;-)

Kommentare:

  1. Tagchen Frank,
    Ist die Famillienbindung in Mongolei wie etwa in "Europa"? Ich meine, wäre es stärker ausgeprägt, hätten die Verwandte den Kinder aufgenommen.
    Alex

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  2. Hallo Alex,

    die Familienbindung ist nach meiner Auffassung eigentlich stärker, als irgendwo auf der Welt.
    Das Problem ist nur, daß es immer mehr entwurzelte Familien gibt, wo mehrere Faktoren zusammenkommen:
    -Bildungsdefizit
    - keine Chancen in der Provinz
    - keine Chancen in der Hauptstadt, wohin man ging
    - daraus resultierend Alkoholismus
    Es ist ein schlimmer Kreislauf.

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  3. Tach Frank,

    das iss das Problem: Die Veränderungen, die man sicher auch zum Teil begrüßen muss, haben eine zweite Seite ... ich bin sicher: Die Vorteile werden wenige genießen, in einen Kreislauf werden viel kommen. :-(

    Ich finde diesen Post sehr anrührend - wie ich überhaupt hier viel schlucken muss - mir ging's im geschilderten Fall auch so. Meine Frau und ich haben vor 28 Jahren deshalb gehandelt: Außer unseren drei Kizz haben wir noch eins. Bitte keine Hochrufe jezz wir halten das für selbstverständlich.

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