Freitag, 25. Mai 2012

Die Geister, die ich rief ....

Da haben wir nun eine neue Subunternehmer-Firma auf der Baustelle.
Eigentlich wollten sie heute mit einer neuen Arbeit anfangen. Das passierte aber nix. Und warum ?
Ein schlechter Tag, meinte der Chef, es gehe heute überhaupt nicht..........
Was war passiert ?
Der junge Mann hat immerhin so um die 50 Leute in seiner Truppe und erinnert mich ständig an den braven Soldaten Schwejk in jungen Jahren.
Nun erklärte er mir, daß er seit einiger Zeit zum Schamanen berufen wurde.
Sowas kann man nicht selbst entscheiden, sondern man wird deswegen von anderen Schamanen angesprochen.
Eigentlich wollte er das überhaupt nicht, aber es sei eben so bestimmt und sträuben sei zwecklos.
Er habe dann mehrere Zeremonien absolviert, von einer Schamanenversammlung seine Ausstattung und die Weihe erhalten und nun könne er in Trance mit den Ahnen sprechen und auch Hilfe erbitten.

Zuerst glaubte ich, er will mich veralbern. Denn das Ganze erzählte er mit einer derart lustigen Mimik und Gestik, als ob er Witze reißt.
Mein Dolmetscher meinte aber, es sei tatsächlich so. Und er habe auch einen ziemlichen Zulauf von "Kundschaft".
Da hat er nun auch seine inneren Stimmen sprechen lassen, irgendwelche Orakel befragt und so kann er heute halt nicht mit der Arbeit beginnen, wie eigentlich geplant.
Nun ja, das habe ich dem Auftraggeber pflichtgemäß mitgeteilt, auch die Gründe genannt.
Und der Mann hat genickt und es akzeptiert.
Gestaltung von Terminplänen durch höhere Fügung eben.

Vielleicht hätten die Chefs auf dem Schönefelder Willy-BrandtSchutz-Flughafen auch ab und zu mal die Orakel befragen sollen.
In Ermangelung eines Solchen wäre "unser Baustellen-Schamane" sicher auch dem Bürgermeister von Berlin-Schönefeld hilfreich gewesen, der hat nämlich ausgezeichnete Partnerschaftsbeziehungen nach Ulaanbaatar und hätte jemand von hier ordern können.
Hätte ich halt den jungen Unternehmer zum "Schamanieren" nach Berlin entsandt, von den paar Tagen Abwesenheit wäre unsere Baustelle auch nicht untergegangen .....

Kommentare:

  1. Schöne Berichte, Frank.
    Schreibe ruhig weiter, liest sich hervorragent!
    Danke!!!

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  2. Lustige Geschichte, und zugleich auch ein interessanter Einblick in eine gänzlich andere Kultur. Allerdings bin ich der Meinung, dass es bei uns hier auch manchmal besser wäre, einen Schamanen vor der Jagd nach der Profitmaximierung zu befragen. Entschleunigung heißt mein Zauberwort.
    Ach Frank, ich beneide Dich und freue mich doch über solche Geschichten, die man in keinem Reiseführer lesen kann.

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  3. Geniale Geschichte!

    Weiter so!1!!!

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